
Mark Knopfler hat in den vergangenen fünf Jahren zwei Mal in Luxemburg alleine gespielt, aber ich hatte keine Lust, ihn mir anzusehen. Die Konzerte mit den DIRE STRAITS 1992 und auf der „Sailing To Philadelphia“-Tour 2001 haben mir damals gut gefallen, aber seine Musik sagt mir heute nicht mehr so viel, obwohl er ein fähiger Songwriter und ein überdurchschnittlicher Gitarrist ist. Schon die Dire Straits hatten ja immer die Tendenz, Songs zu sehr in die Länge zu dehnen. Ganz besonders negativ fällt das auf der „Brothers In Arms“ auf; auch am Freitag wurden „What It Is“ und „Sailing To Philadelphia“ bis zur Erträglichkeitsgrenze gezogen. Aber erfreulicherweise hat Knopfler sehr viel akustische Gitarre gespielt, viele folkorientierte Songs, darunter auch zwei nagelneue Kompositionen. Insgesamt haben mir die 75 Minuten viel Spass gemacht. Und auch der Meister selbst schien Freude zu haben und denkt offensichtlich mit seinen 62 Jahren noch lange nicht an die Rente. Den neuen Song „Privateering“ kündigte er an: „This will be the first time you hear it, but hopefully you will hear it many more times in the future…“. Ganz zum Ende des Sets gab es auch den einzigen Dire Straits Song zu hören – “So Far Away”.
Nach erfreulich kurzen 25 Minuten Umbau kam Knopfler dann etwas überraschend zusammen mit Bob Dylan und dessen Band wieder zurück auf die Bühne und spielte bei den ersten drei Songs mit. Das war eine Premiere – bei den bisherigen 11 Konzerten der Tour war Knopfler nur ein einziges Mal und nur zu einem einzigen Song zu Dylan auf die Bühne gekommen.
Dylan ist auch mit 70 Jahren noch in guter Form. Er schien gut gelaunt zu sein und hat mit seiner Setliste gleich mehrere meiner Wünsche erfüllt: Es war mein insgesamt viertes Dylan-Konzert und von den 14 Songs habe ich genau die Hälfte zum allerersten Mal live erlebt, darunter meine alltime Favoriten „Tangled Up In Blue“, „Ballad Of A Thin Man“ und als persönlicher Höhepunkt „Desolation Row“ – „They’re sending postcards of the hanging…“ – das war ein echter Gänsehautmoment, als Dylan mit den Textzeilen begann. Weitere Premieren waren für mich auch „It’s All Over Now, Baby Blue“, „Leopard-Skin Pill-Box Hat“, „Make You Feel My Love“ und „Forgetful Heart“, das mir in einer neuen, sehr ruhigen Version noch besser gefiel als auf dem letzten Album.
Ende der 80er galt Dylan als ausgebrannt. Er war desillusioniert, hatte Drogenprobleme und seine Alben waren total misslungen. Seine Tour 1987 mit den GRATEFUL DEAD gilt oft als Tiefpunkt, aber ausgerechnet sie hat ihm damals neue Impulse geliefert. Danach hat er aufgehört, in Stadien seine größten Hits zu präsentieren und stattdessen begonnen, die Setlisten jeden Tag zu verändern. Seitdem tourt Dylan nahezu pausenlos über den Erdball – die inzwischen so genannte „Never Ending Tour“ läuft seit 23 Jahren. Einzelne Musiker seiner Begleitband sind über die Jahre gekommen und wieder gegangen – Bassist Tony Garnier ist bereits seit 1989 dabei und der allererste Gitarrist war übrigens W.E. Smith, der augenblicklich bei „The Wall“ mitwirkt. Das Konzert in Luxemburg war Nummer 2373 (!) der „Never Ending Tour“ und Nummer 68 im Jahr 2011. Dylan will offensichtlich noch lange nicht aufhören und er wird es wohl auch nicht, solange seine Gesundheit mitmacht. Die Tour selbst ist in meinen Augen zu einem eigenen gewaltigen Kunstwerk geworden, einmalig in der Rockgeschichte.
Die Setlisten:
Mark Knopfler
01 What It Is
02 Cleaning My Gun
03 Sailing to Philadelphia
04 Hill Farmer's Blues
05 Privateering (neu)
06 Song for Sonny Liston
07 Done With Bonaparte
08 Haul Away (neu)
09 Marbletown
10 Speedway at Nazareth
11 So Far Away
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Bob Dylan
1. Leopard-Skin Pill-Box Hat (Mark Knopfler on guitar)
2. It's All Over Now, Baby Blue (Bob Dylan and Mark Knopfler on guitars)
3. Things Have Changed (Mark Knopfler on guitar)
4. Tangled Up In Blue
5. Honest With Me
6. Make You Feel My Love
7. The Levee's Gonna Break
8. Desolation Row
9. Highway 61 Revisited
10. Forgetful Heart (Donnie on violin)
11. Thunder On The Mountain
12. Ballad Of A Thin Man
13. All Along The Watchtower
14. Like A Rolling Stone
I. Bringing It All Back Home (1965): 2,
II. Highway 61 Revisited (1965): 8, 9, 12, 14,
III. Blonde On Blonde (1966): 1,
IV. John Wesley Harding (1967): 13,
V. Blood On The Tracks (1974): 4,
VI. Time Out Of Mind (1997): 6,
VII. The Essential Bob Dylan (2000): 3,
VIII. Love And Theft (2001): 5,
IX. Modern Times (2006): 7, 11,
X. Together Through Life (2009): 10,